Die Gronauer Riedmühle

nachstehender Text wurde uns von Sascha Empter zur Verfügung gestellt



Die Riedmühle war eine Getreidemühle in der durch ein Wasser betriebenes Mühlrad das Getreide zu Mehl gemahlen wurde. Der Mühlbach der so genannte Riedgraben kommt von der ``Berger Höhe`` durch das Gronauer Feld an die Mühle und fließt zwischen Gronau und Dortelweil in die Nidda.

Das Baujahr der Riedmühle wird grob auf das Jahr um 1600 geschätzt. Erste schriftliche Erwähnungen sind um das Jahr 1664 bekannt.

Damaliger Müller war Johann Heinrich Geibel, ihm folgte Johann Philipp Geibel. Riedmüller Meisinger beschwerte sich 1784 darüber das der Dottenfelder Hof welcher in Gronauer Gemarkung liegt nur die Hälfte seines Getreides bei ihm mahlen ließ und die andere Hälfte in der Vilbeler Mühle. Andere Riedmüller waren Herr Bingel, Johann Pöhlmann und Georg Empter welcher die Mühle nach einem Feuer 1893 wieder aufbauen ließ. Theodor Empter war der letzte Müller der Riedmühle.

Nach 1946 wurde die Mühle nicht mehr betrieben. Sie wurde zum Wohn- und Mietshaus um- und angebaut wozu das Mühlengebäude noch heute von den Enkeln des Theodor Empter genutzt wird.

Die Riedmühle hatte früher in Gronau die Hausnummer 1 d.h. bei der ersten Zählung durch der Landgrafen war sie das älteste Haus, nach der Vergabe von Straßennamen befindet sie sich Heute im Riedmühlenweg und trägt auch hier die Hausnummer 1.
Die Gronauer Riedmühle

Weitere sehr informative Unterlagen und Bilder zur Riedmühle finden Siehier

Feuer an der Riedmühle

Ein Tatsachenbericht aus der Erinnerung aufgeschrieben von Hansfried Münchberg

Es war einer jener drückend schwülen Sommerabende Ende der 50er-Jahre, als von der Berger Höhe her kommend ein schweres Gewitter auf Gronau zuzog.

Damals blieben viele Gewitter scheinbar an Ort und Stelle stehen und entluden sich über Gronau.
Die Gronauer sagten, die Gewitter blieben an der „Bach“ hängen und kämen dort nicht weiter.

Meine Großmutter hatte furchtbare Angst vor Gewittern, sodaß wir schon beim ersten Donnergrollen oder Wetterleuchten aus den Federn geholt wurden. Auch dieses Mal hatte uns meine Großmutter bereits rechtzeitig geweckt, was angesichts des heranrollenden Donnergrollens gar nicht nötig gewesen wäre.
Eiligst wurden wir vollständig angezogen und ordentlich gekämmt und mussten am Küchentisch Platz nehmen, Es war uns eingeschärft, ja nur von allen metallischen Gegenständen wie elektrischen Leitungen und Wasserleitung Abstand zu halten.
So saßen wir nun da, gleichzeitig neugierig was draußen passieren würde, aber irgendwie auch von Omas Angst beeindruckt, alsuns plötzlich eine explosionsartiger Knall sowie ein gleißend helles Licht zusammenschrecken ließ.
Wir wussten sofort, irgendwo in der Nähe hatte der Blitz eingeschlagen. Wir rannten zum Fenster, was uns streng verboten war, denn am Fenster hätte uns ja der Blitz erwischen können. Wir hörten schon nach wenigen Minuten wildes Hin- und Hergerenne, lautes Geschrei, sowie das Geräusch von metallenen Reifen auf dem holprigen Feldweg hinter dem Friedhof in Richtung Riedmühle.
Dort war der Löschwagen unterwegs. Die jungen Männer des Dorfes, die fast alle bei der Feuerwehr waren, rannten aufgeregt dorthin. Damals kam die Feuerwehr noch nicht mit „Tatütata“ und Blaulicht, eine handgeschüttelte Glocke machte gehörigen Lärm. Von den Feuerwehrleuten wurde der Pumpen- und Spritzenwagen per Hand zum Brandort geschoben.

Was war passiert?
Der Blitz hatte in eine Pappel eingeschlagen, die in unmittelbarer Nähe der Stallungen der Riedmühle stand.
Er hatte den Baum gespalten und war von dort auf das mehrere Meter entfernte Dach der Stallungen übergesprungen. Dieses war in Brand geraten. In den Stallungen waren einige Schweine und Kühe untergebracht. Man hörte das laute Brüllen der aufgeschreckten Tiere.

Natürlich hielt es uns nicht mehr am Küchentisch, wir machten uns verstohlen davon. Allerdings wurden wir rechtzeitig von einigen Erwachsenen aufgehalten, sodass wir nicht unmittelbar zum Brandort gelangen konnten.

Der besseren Übersicht wegen kletterten wir auf die Friedhofsmauer von wo wir aus einen guten Blick auf das Geschehen hatten. Soweit man sehen konnte, hatte die Feuerwehr große Mühe Wasser heranzuschaffen.

Weit und breit war kein Hydrant installiert. So musste das Wasser des Riedmühlen-Teichs, eigentlich ein Sumpfloch, als Löschwasser herhalten.
Des trockenen Sommers wegen war dieser Teich fast trocken gefallen. Seine Ränder waren dicht mit Schilf bewachsen, sodass die Feuerwehrleute große Mühe hatten überhaupt zum Wasser vorzudringen, weil sie sich erst durch Schilf und Morast kämpfen mussten. Von dort wurde das Wasser per Handpumpe zur Brandstelle gefördert.

Von Ferne sahen wir die Flammen durch die Ritzen der Dachziegel züngeln. Sie bildeten dabei den Anschein eines Negativbildes des Daches ab. Denn in den Ritzen war es hell, die Ziegel selbst waren dunkel. Dieses war ein gespenstisches Bild, welches mir bis heute ins Gedächtnis eingebrannt ist.
Am nächsten Morgen erfuhren wir, daß die Stallungen fast vollständig heruntergebrannt waren. Auch einige der dort untergebrachten Tiere hatten das Inferno nicht überlebt.
Mit Ehrfurcht vor der grausigen Szenerie betrachteten wir am nächsten Morgen die Brandruine. Die Pappel, die den Blitz eingefangen und umgelenkt hatte, hatte einen tief aufgerissenen und gespaltenen, zersplitterten Stamm, was uns einen kalten Schauer über den Rücken laufen lies.
Zum Glück war es der Gronauer Feuerwehr jedoch gelungen ein Übergreifen der Flammen auf die Wohngebäude der Riedmühle zu verhindern. Sie haben durch ihren aufopferungsvollen Einsatz dafür gesorgt, dass Menschen nicht zu Schaden gekommen waren.