Gronauer Kindheitserinnerungen

von Hansfried Münchberg


Die ebenerdige Bauweise der Baracke, in der unsere ausgebombte Familie nach dem Krieg in Gronau untergebracht war, war für uns Kinder von großem Vorteil, bestand doch die Möglichkeit, auf mehreren Wegen in unser Zimmer zu gelangen. Zum einen, indem wir, wie vorgesehen die Tür und den Flur benutzten, zum anderen war es uns möglich durch die Fenster in unser Zimmer zu gelangen, sodass wir des Öfteren ungesehen von Erwachsenen ein- und ausgehen konnten.

Die Einrichtung unseres Kinderzimmers war eher spärlich, sie bestand im Wesentlichen aus zwei Betten, sowie aus unserem Kaufladen, den mein Großvater mit seinen eigenen Händen gebaut hatte. Unter Rainers Bett lag ein alter Koffer, in dem er seine Bibliothek aufbewahrte.
Dieser Koffer war nach meinen Maßstäben sehr, sehr wohlgeordnet, die einzelnen „Bände“ lagen in der Reihenfolge ihres Erscheinens wohlsortiert aufeinander. Wehe ich brachte dieses System durcheinander, das war einer der wenigen Augenblicke, in denen ich mit meinem nur zwei Jahre älteren Onkel Rainer in konflikte kam. Die einschlägige Literatur jener Jahre war für uns Buben Sigurd, Akim, Tom Prox, Tom Mix und Billy Jenkins.

Neben Rainers Bett stand eine besondere „Kostbarkeit“ für uns Buben. Ein technisches Wunderwerk namens „Kristall-Detektor-Empfänger“. Dieses Gerätchen brachte uns die weite Welt in Form des stärksten regionalen Senders in die Kinderstube. Das war der Sender auf dem Vilbeler Heilsberg, damals AFN – American – Forces – Network.
Über einen Kopfhörer, der einstmals bei der Wehrmacht gedient hatte, konnten wir so, insbesondere am Abend war der Empfang gut, ohne Stromanschluß Radio hören.