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Der Feldschütz

von Alfred Fischer

Eine der meistbeachteten Personen bei uns Buben war der Gronauer Feldschütz..
In den Jahren ab 1950 war das Wilhelm Bauscher. Er war von der Gemeinde beauftragt
im Gemeindegebiet für Ordnung zu sorgen und Diebstähle an landwirtschaftlichem
Eigentum zu verhindern.
Da Herr Bauscher auch gleichzeitig Wildhüter war, sah man ihn meistens in Begleitung
eines Hundes und mit geschultertem Jagdgewehr. Immer wenn man ihm begegnete,
hatte man ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Das kam aber nicht von ungefähr,
denn wir Buben nahmen es mit dem Eigentum, zum Beispiel von Obst jeglicher Art,
nicht so genau. Durch ständiges Streunen in der Gemarkung wussten wir genau wo
und wann welches Obst gerade reif war und wo es sich lohnte davon zu naschen.
  
Unser Autor Alfred Fischer
in früher Jugendzeit


hessischer  Feldschütz

Besonders beliebt waren die Gemeindekirschen hinter der Riedmühle. Eine Ansammlung mehrerer Bäume unterschiedlicher Sorten, die zu unserer Freude auch in Abständen reif wurden. Eigentlich sollten die Kirschen an Interessenten versteigert werden, doch dazu kam es nie. Sobald sich die ersten roten Flecken auf den Kirschen zeigten, schwangen wir uns in den jeweiligen Baum und bis auf einige Äste in der Spitze wurde so gut wie Nichts übrig gelassen. Ich erinnere mich an bis zu 10 Plünderer die gleichzeitig im Baum saßen und sich gütlich taten.

Der Spaß war aber nicht ganz ungetrübt. Mit einem Auge musste Ausschau gehalten werden ob sich jemand näherte. Wenn das der Fall war hieß es ganz schnell runter vom Baum und nach allen Richtungen auseinander. Meist gelang das auch sehr gut Doch dann kam der Moment, den man getrost als GAU hätte bezeichnen können. Wilhelm Bauscher hatte sich unbemerkt genähert und stand mit all seiner Autorität und seinem Hund unter dem Baum. Die letzten Kirschen blieben uns im Hals stecken und an Flucht war nicht mehr zu denken. 

„Was macht ihr hier? Wisst ihr nicht wem die Kirschen gehören? Was werden eure Eltern machen, wenn sie das hier erfahren? Und erst euer Lehrer?„

Es folgte betretenes Schweigen. Schuldbewußt harrten wir der Dinge die jetzt kommen würden.
„Haut bloß ab ihr Säubube„ „ Ich kenn euch all und ihr könnt was erlebe„ war das Letzte was wir hörten bevor wir machten, dass wir davonkamen.

Dann begann das Warten auf die angekündigte Strafe, tagelang. Es passierte nichts. Nichts bei den Eltern, nichts in der Schule. Wilhelm Bauscher hatte den Vorgang offensichtlich vergessen. Die fehlenden Kirschen und die leer geräumten Bäume hatte er sicher seinen Vorgesetzten mit den Horden von Staren (auf hessisch Sprienen) erklärt, die jetzt wieder unterwegs waren.