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Die Hohl

von Alfred Fischer

Das Gebiet an der Bahnstrecke zwischen Riedmühle einerseits und den so genannten Rabenhecken in Sichtweite zu Dortelweil, waren Einzugsgebiet der Gronauer Jungen. Hier beiderseits der Bahnstrecke mit der 1. und der 2. Hohl konnte man nach Herzenslust stromern. Die Bahndämme waren dicht von Hecken bewachsen was hervorragende Deckung bot. Ein Netz von Trampelpfaden ermöglichte es, ungesehen den Standort zu wechseln und Andere zu beobachten, die einen selbst nicht sehen konnten. Wir fühlten uns als Trapper oder Indianer und versuchten ihnen so ähnlich wie möglich zu sein.
Das Lagerfeuer war obligatorisch und an geeigneter Position, zum Beispiel auf dem Kieskopf, hatte der aufsteigende Rauch abschreckende Wirkung für Feinde. Die lebten nur wenige Kilometer entfernt in Dortelweil und immer wieder kam es zu Verletzung des Territoriums. Ich erinnere mich an Aufmärsche Dortelweiler Jugendlicher in Gronau und im Gegenzug einen Einmarsch mit großer Besatzung in Dortelweil. Alles was in Gronau laufen konnte wurde mitgenommen und bewaffnet mit Schlagstöcken und Holzschwertern, mit Blasrohren und Pfeil und Bogen wurde große Stärke demonstriert. Zu Handgreiflichkeiten kam es übrigens nicht, die moralische Wirkung aber war ungeheuerlich.
An regnerischen Tagen zog man sich in einen tunnelähnlichen Durchbruch unter der Bahn zurück, der zum Ablauf des Regenwassers gedacht war, der aber ganzjährig trocken lag. Man konnte zwar nicht aufrecht stehen, es war aber möglich auch bei schlechtem Wetter das für Indianer obligatorische Lagerfeuer zu betreiben.
Hier machten wir auch die ersten Züge an einer mit Gras gestopften Friedenspfeife. Den meisten wurde schlecht, was aber keiner so recht zugeben wollte, denn Bleichgesicht wollte keiner sein.

Die Hohl war aber nicht nur im Sommer beliebtes Ziel für Spaß und Spiel abseits der Erwachsenen, sondern auch im Winter. Da Gronau ja nicht besonders hügelig ist, gibt es kaum Möglichkeiten zum Schlittenfahren. Lediglich hier in den Hohlwegen war es möglich mit dem Schlitten etwas Fahrt aufzunehmen. Und so kam es , dass sich manchmal auch Mädchen hierher verirrten.

Ich bereichte über die Jahre 1953 bis 1958 aber bereits frühere Jungengenerationen- schon unmittelbar nach dem Krieg- machten die Gegend unsicher.
So war die Hohl für mehrere Generationen Gronauer Jungen ein Ort voller Abenteuer und gelebter Fantasie, unbeschwert und abseits gängelnder Erwachsenen.