Zeitgeschichte
Gronau 1951 - 53


 

1951 


 

Die neue Glocke

 
Die Niederdorfelder Gemeinde beschloss in einer Sitzung der Gemeindeversammlung und des Kirchenvorstandes am 12. August 1952 die Anschaffung zweier neuer Glocken. Im Anschluß daran wurde auch in Gronau der Wunsch nach einer neuen Glocke laut.
Pfarrer Broscheit hat damals in 3 Wochen von Haus zu Haus über 3000.-- DM erbeten und in  Kochendorf bei Bachert (Anm. Glockengießerei )  durch den Vertreter, Herrn Wörner in Windecken, die neue h`-Glocke bestellt. Herr Wörner brachte auch die alte, vorhandene Glocke in Ordnung, beschaffte neue Gurte, legte sie in Kugellager und fertigte für die d`-Glocke einen neuen Klöppel mit Kehrscheibe an.  
 
Am 28.10.1952 wurde die neue Glocke gegossen, wozu der Herr Bürgermeister Theodor Wenzel und 
7 Gronauer Gemeindemitglieder nach Kochendorf gefahren waren. Am nächsten Tage fuhr Pfarrer Broscheit mit den ihm befreundeten Herrn Butler, Landrat Wolf und Graf Bothmer im Auto von Herrn Butler  nach Kochendorf, wo sie die Glocken für Niederdorfelden und Gronau aus der Grube gehoben noch in den Formen sehen konnten.
 
Es ist den Bemühungen der Firma und ihres Vertreters Herrn Wörner zu verdanken, dass die neue Glocke am Freitag Abend von Windecken abgeholt, am Sonnabend Vormittag nach den Höfen (Gronauer Hf, Junkerhof (Niederdorfelden), Dottenfelder Hof) und in feierlichem Umzug durch den Ort gefahren werden konnte und am Nachmittag auf den Turm gebracht werden konnte. Dabei halfen viele Männer unserer Gemeinde tatkräftig mit, sodass nach den vorbereitenden Arbeiten die durch den Wagnermeister  Gerhard Wenzel und den Schmied Matthes getroffen waren, am Sonnabend zur Probe geläutet werden konnte.
 
Inzwischen war durch die Firma Weitzel  Niederdorfelden, in der  Pfarrerssohn Martin Broscheit im 3. Lehrjahr arbeitete, der Bodenbelag  des Glockenstuhls erneuert und die Turmuhr durch die Firma Eberl, Niederdorfelden in der der andere Pfarrerssohn Horst-Otto lernt, repariert und in Gang gesetzt worden.
Horst-Otto hatte auch die Lampe auf die Kanzel gelegt, mit seinem Meister zusammen den Orgelmotor im Sommer eingebaut und übernahm nun die Aufgabe, die Turmuhr aufzuziehen und den Orgelmotor sowie alle elektrischen Anlagen der Kirche zu übernehmen.
 
Im feierlichen Gottesdienst am Sonntag, den 3.11.52 wurde die Glocke zusammen mit der alten, die genau vor 200 Jahren  1752 der Gemeinde zu läuten begann, von Herrn Dekan Lippert vom Altar aus gerufen.
 
Die Inschrift der Glocke: Den Opfern des Weltkrieges 1939 - 1945
in spem contra spem (auf Hoffnung gegen alle Hoffnung )
Jesus Christus Pax
Die Kirchengemeinde Gronau 1952
 

 Anmerkung:

Glockengießerei
Eugen Bachert 
Kochendorf1932 bis 1988
Eugen, Sohn des Albert Bachert, führt die Feuerwehrgeräte-Fabrik und Glockengießerei Gebrüder Bachert in Kochendorf fort. (Eugen Bachert *1905 - 1993).
 

 



 
Herr Böckel mit seinen Rappen, neben Ihm Walter Giesel und Willi Kroh.
Herr Rudolf Laupus und Pfarrer Horst Broscheit. Davor am Wagen der Herr Sattlermeister Hammel mit seinem kleinen Sohn Peter auf dem Arm,
vor den Häusern Schmidt, Knickel und am Rande Müller in der Neuen Straße am Dorfausgang nach Niederdorfelden.
Die Kutsche im Hintergrund wird von Pfarrer Broscheit gesteuert.
Die Glocke war durchs Dorf, zur Schule an der Bahn  vorbeigefahren und wurde nun an der Bügermeisterei vorbei, Backhaus und Schäfergasse  zur Kirche gefahren
 
Am 14.12.52, den 3. Advent abends um 7 Uhr fand in der Kirche Gronau ein Krippenspiel statt, bei dem außer Konfirmanden , Katechumenen und Kindern des Kindergottesdienstes auch Frau Hager und Frau Broscheit mit Sologesängen mitwirkten. Die Einnahmen legten den Grundstock für die Dachreparatur (1300.--DM ) , die in diesem Sommer (1953) ausgeführt werden soll, um die Kirche vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Das Programm ist beigefügt. Pfarrer Broscheit schreibt:"Wir wollen nun einen lithurgischen Weihnachtsgottesdienst mit dem Verkündigungsspiel der Kinder halten am Heiligabend um 4 ½ Uhr und im Februar ein Spiel mit den Kindern im Saal Wenzel.
Die Kollekte und Einnahmen sollen wieder für das Kirchendach unserer Kirche verwendet werden."
 
Untenstehende Karte wurde in 1000 Stück gedruckt, von deren Erlös = 100 DM  für das Kirchendach genommen werden soll.
 
Bild: Frohe Festgrüße aus Gronau Kreis Hanau
 

  

Gemeindeabend am 15. März 1953 


        

Zur Erneuerung des Kirchen- und Turmdaches soll ein Gemeindeabend stattfinden, zu dem der Pfarrer folgendes kleines Gedicht schrieb, das von seiner Tochter Barbara vorgetragen und der Refrain von den Kindern gesungen wurde.



 Barbara Broscheit singt „Willkommen liebe Leute"
der Kinderchor des Kindergottesdienstes „Heile, Heile Gänschen !"
 
 Willkommen, liebe Leute !
Willkommen, liebe Gäst !
Kein Tanzen gibt es heute 
und auch kein großes Fest.
Heute gibt es ein Kinderspiel
Auch das ist manchem schon zu viel
 
Heile, Heile, Gänschen !
Es wird schon wieder gut.
Das Kätzchen hat ein Schwänzchen !
Es wird schon wieder gut.
Heile, heile Mausespeck !
Nach hundert Jahren ist alles weg.
 
Die Kirche muß verfallen -
Sie kostet zu viel Geld !
So hört man es von allen -
und auch der Kirchturm fällt !
Das redet man schon dreißig Jahr -
Noch immer steht die Kirche da.
 
 
Heile,Heile, Gänschen...
 
Die Leuchter für das Kirchenlicht,
die Orgel mit Motor
Die Uhr ging  überhaupt nicht,
Jetzt geht sie etwas vor.
Gestiftet war das Kanzeltuch
Zum Schluss ein neues Bibeltuch
 
Heile, Heile Gänschen...
 
Alles nur ein Anfang
Immer bleibt ein Rest -
Die Glocke findet Anklang,
das Dach zu wünschen lässt.
Macht nur kein solch gross Geschrei !
Das Dach kommt auch noch an die Reih.
 
Heile, Heile Gänschen...
 
Geduld müssen wir haben
und tuen was man kann
Durch neue gute Jahre
Als nächstes kommt heran:
Die Decke und die Malerei,
Auch dieser Zustand geht vorbei
 
Heile, Heile Gänschen...


Die Kinder  (Konfirmanden und Katechumenen 1951 /53) spielen
für die Erneuerung des Kirchendaches, in der Mitte Barbara Broscheit, Christa mit schwarzer Jacke.

 Aus dem vollbesetzten Saal des Krögers
(Bahnhofswirtschaft)  15. März 1953
 

 Dachreparatur

 Das Kirchendach und der Turm wurden im Juni 1953 von Herrn Dachdeckermeister Vollbereit (?) aus Windecken wieder hergestellt unter Mitwirkung von Horst-Otto Broscheit (Elektriker) und Martin Broscheit (Schreiner)
 
Pfarrer Broscheit schreibt:" im Juli 53 begann die Erneuerung des Pfarrhauses mit Küche, Bad, Abort und dem kleinen Zimmer hinter dem Bad, in dem Horst-Otto wohnt; durch Herrn RO(???), Niederdorfelden, der die Bauarbeiten, Herrn Vetter, der die Spenglerarbeiten ausführte.
Die umfangreichen Elektroarbeiten mit unter Putz legen der Leitungen machte Horst-Otto. Die Schreinerarbeiten Martin.
In diesem Sommer ist nun noch der Einbau eines Kamins zwischen Orgel und Männerempore geplant,  die nach den Angaben von Landeskirchenbaurat Maurer, der 20 Jahre in Ostpreussen, auch bei dem bei uns befreundeten Exzellenz  Dr. von Berg gebaut hat.
Auch diese Arbeit soll die  Firma (???) Niederdorfelden machen."

 
 In der Woche vom 12. -17. Oktober 1953 wurde der Kamin in der Kirche in Gronau von der Firma (???) Niederdorfelden ausgeführt. Das Aufstellen des Ofens machte der Spenglermeister Vetter aus Niederdorfelden, die Schreinerarbeiten Herr Giesel sen. und jun. aus Gronau.
      
 Der Pfarrer berichtet;"     Damit waren wir wieder einen Schritt weiter in der Erneuerung der Kirche.
Das Geld  dazu und zur Erneuerung des Pfarrhausdaches, das mein Sohn Horst-Otto neu deckte, ca. 450.—DM sammelte ich in der Woche vorher von Haus zu Haus gehend. Wieder machte ich die Erfahrung, daß die uns freundlich gesinnten Gemeindemitglieder ohne Umstände mit ihren Gaben halfen. Zu den anderen - und das ist ein großer Teil - bin ich gar nicht erst gegangen; denn bei diesen Bettelgängen auch noch abgewiesen werden, erscheint  mir doch unwürdig zu sein.
 
Vom Kirchendach waren noch 1000 Ziegel für das Pfarrhaus übrig. 50 holte Horst-Otto von den 12000 mit denen das Kirchendach in Niederdorfelden gedeckt wurde. Auch dort machte Herr Vetter eine neue Dachrinne an.
Den Kirchturm hatte einige Wochen vorher die pol. Gemeinde erneuern lassen. So gehen die Arbeiten an den kirchl. Gebäuden in beiden Gemeinden weiter, obwohl das alles von der Kirchenleitung geflissentlich übersehen wird, weil ich ja als aktiver Pfarrer ausgeschaltet bin und nirgends in Erscheinung zu treten habe.
 
Heute, am 17. Oktober wurde mit den Kindern die Kirche aufgeräumt. Schutt von Jahrzehnten hinter der Orgel und in der Kammer unter der Treppe. Wo man anfasst - Dreck - und was haben wir schon in den 6 ½ Jahren versucht.
 
Die Pfarrstelle ruht seit 25 Jahren. Die schnell wechselnden Pfarrer hatten weder am Kirchengebäude noch an den Pfarrgebäuden großes Interesse. So bleibt uns alles zu tun vorbehalten  und wir müssen von Jahr zu Jahr, soweit Mittel und Kräfte in dieser kleinen Gemeinde vorhanden sind, mehr Ordnung hineinbringen."
 

Zur Erneuerung der Decke des Kirchenraumes

die an fünf Stellen schon 1944 / 45 eingestürzt war, veranstalteten wir ein Krippenspiel am Sonntag den 20. Dezember 1953, das 130.—DM erbrachte.
Am 21. Februar 1954 einen Gemeindeabend im Saal des Wirt Wenzel.
Reingewinn 440.—DM
 
Nach  Abzug der Unkosten bleibt ein Gewinn von 550.—DM zu der vom Landeskirchenamt beantragten Beihilfe.