Kirchenchronik von Pfarrer Broscheit
Gronau 1958 - 60



1958 Pfarrer Horst Broscheit, Pfarrer für Gronau, Niederdorfelden und Oberdorfelden


1958

Erneuerung des Kirchengebäudes

 
Mit Hilfe und ständiger Anteilnahme von Herrn Pfarrer Lutze (?), Mittelbuchen, begannen wir Anfang des Jahres 1958 die Erneuerung des Kirchengebäudes ins Auge zu fassen. Nach monatelangen Verhandlungen ergab sich für den ersten Bauabschnitt folgendes Bild:
Die pol. Gemeinde lehnte jede Beteiligung an dem Vorhaben ab. Wir waren also allein auf die Mittel und Beihilfen der Kirche selber angewiesen.
Kirchenkreiskasse 1956            500 DM  (d. Herrn Pfarrer Lutze)
Gabengroschen des Kirchenkreises 1957  2000 DM
Baufond eigene Gemeinde 1957    200 DM
Kirchenkreiskollekte 1958            200 DM
Beihilfe des Landeskirchenamtes 1958   3000 DM
Baukollekte eigene Gemeinde 1958     100 DM
 
Die Entwürfe und Anschläge machte Herr Architekt Bange, Hanau
 
Am Dienstag, den 10. Mai 1958, räumte ich den Altartisch aus von den dort befindlichen Geräten, Akten und Büchern, schob ihn vom Podest herunter und am Nachmittag hat dann der aus Ostpreussen stammende Schreiner Kummetat mit einem Lastwagen-Heber den sehr schweren Podest gehoben, Balken und Platte eingeschnitten, sodass wir ihn auf einer Rolle an dem Emporenständer vorbei nach rückwärts schieben konnten.
Ich kratzte und fegte den in 250 Jahren abgelagerten Dreck und Müll vor, säuberte die Platten und Herr Kummetat legte hinter der Säule den Belag und erneuerte die Seitenlatten.
 

Römische Funde in Gronau

Gegen Abend kamen drei Herren vom Geschichtsverein aus Hanau und wir sahen uns die Fundamente und (P)Flasterungen eines römischen Gutes an, die beim Ausschachten des Umlauf`schen Hauses rechts vor den Bahngleisen an der Vilbelerstraße freigelegt waren. Ich  konnte den herren auch die Teile eines römischen Kochgefäßes geben, das mir Herr Umlauf am Sonntag Nachmittag gezeigt hatte.

Neugestaltung des Altar - Raums

Am Mittwoch nahm ich den Kruzifixus in der Kirche ab, reinigte den Korpus vom Staub, befestigte dann das Kreuz wie mit Landeskirchenbaurat Maurer besprochen  tiefer über dem Altartisch brachte dann den Korpus mit einiger Mühe und grösster Vorsicht wieder am Kreuz an. Heute, am Donnerstag, den 12 Mai 1958 besserte ich die schadhaften Stellen des Korpus mit schwarzer Farbe aus. Auf dem Altartisch steht jetzt unter dem Kruzifix zwischen den 4 Leuchtern der 300 Jahre alte  Kelch der Gemeinde. Meister Reul in Windecken erneuerte den Einband der Altarbibel aus dem Jahre 1720. Ebenso bindet er das älteste Kirchenbuch neu ein.
Heute, am 18. Juli 1958 wurde von Herrn Sattlermeister Hammel die Altar - Erhöhung  neu mit Linoleum belegt und eine Messingschiene herumgeführt. In der Farbe passt sich der Belag der des Gestühls, also hellgrau, an. Dazu kam ein Kokosläufer vor den Altartisch und zwei alte Kirchenstühle wurden in rötlicher Farbe gepolstert für die Hochzeitspaare bei Trauungen.
In den nächsten Tagen soll die Kanzel einen neuen, schwarzen , Bezug erhalten. Damit wären die ersten Arbeiten in der Kirche begonnen. Wann Fenster und Reparatur des Chorgestühls folgen, bleibt abzuwarten. Für den ersten Bauabschnitt sind 6000 DM in Aussicht, aber ich lasse nicht vorher anfangen, bis die Mittel bereit gestellt sind. -
 
Heute, am 18.7.1958 erhielt das Pfarramt nach 10 Jahren wieder Telefon mit der Rufnummer Bad Vilbel 2904. Anschlussmöglichkeiten befinden sich im Amtszimmer und im Flur, wo auch ein zweites Läutzeichen angebracht wurde.
Alle diese kleinen Gemeinden brauchen nur eine Kirche: Ober-,  Niederdorfelden und Gronau. Ein großer Aufwand für unzureichende Mittel. Die Gemeinden wollen jede ihre Kirche, aber dann kümmert sich keiner darum.


 Der Chorraum vor der Renovation

An der Orgel Herr Kantor Butler, der an diesem Tage, am 14 Juni 1958 nach elfjähriger Amtszeit als Lehrer und Organist in Gronau amtierte.
Es bestand in diesen Jahren ein gutes Verhältnis zwischen Kirche und Schule, Pfarrer und Lehrer.

Die Treppe vor dem Fenster der Orgelempore soll abgenommen werden und von der großen Emppore eine Brücke vor dem Kamin die Verbindung bilden.

Das Fenster hinter dem Altar soll vermauert werden, sodass der Altar besser hervortritt und das Geblendetwerden wegfällt.

Am Dienstag den 16.9.58 erhielt die Kanzel einen neuen schwarzen Tuchbezug durch Alfons Demmer (?), der bei Sattlermeister Hammel arbeitet.

Im Oktober wurden zwei Türvorhänge angebracht.

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Im Dezember 1958 wurden alle Kirchenfenster in ursprünglicher Bleiverglasung erneuert....Der Elektriker Horst-Otto Broscheit ....brachte die Beleuchtung für ein Altartransparent in der Gronauer Kirche an, das noch aus Ostpreussen von Hirschfeld stammte. Vor die Haupteingangstür und die unbenutzte Seitentür wurden im November 58 von Meister Heinrich Hammel Friesvorhänge geliefert und mit unserem Glöckner, Herrn Schwarzhaupt am Sonnabend vor Totenfest, am 22.11.1958 angebracht.
 

1959

Kreiskirchentag in Gronau

Am 20.  Januar 1959 soll hier der Kreiskirchentag des Kirchenkreises Hanau-Land stattfinden mit einem Gottesdienst um 8 ½ in der Kirche, dieser armen, verkommenen, in allen Teilen verfallenden Kirche vor den Toren Frankfurts, um die sich niemand kümmert und für die niemand Geld übrig hat. Wir sind zwar keine tote Gemeinde, von Toten kann man auch keine Steuern erheben ! - aber wir sind eine sterbende Gemeinde, die man abgeschrieben hat. Wie sollte es auch anders sein. Kassel ist weit und hat andere Sorgen.- Wir Bedeutungslosen, wir zählen nicht - Warum auch ? Und nun dieser Kirchentag mit Oberlandeskirchenrat und Propst und Dekan und Geistlichkeit und Synodalen - nur um einen Sterbenden zu sehen ? Und dann so zu tun als sei nichts gewesen ? Wozu ?
Eine Kirchenfahne haben wir auch noch beschafft und ein Pult, das wir dann als Bibelpult in der Kirche und eines im Gemeindezimmer benutzen. Ebenso für das Gemeindezimmer einen Ausschnitt aus der Kreuzigung des Isenheimer Altars von Grünewald darstellend die Mutter Jesu, gestützt vom Jünger Johannes. Gerahmt wurde das original große Bild von Buchbindermeister ..... ( unleserlich )
 
Bildunterschrift: Altartisch im Kirchenzimmer des Pfarrhauses Gronau unter der Stuppacher Madonna von Grünewald am 4. Advent 1958. Hier fanden in der Winterzeit Gottesdienste statt.
Auch die Paare, die es wünschten wurden hier getraut.
Das Äussere dieses Raumes ist eher erneuerungsbedürftig und ich werde versuchen, ihn im Jahr 1959 erneuern zu lassen.
Der Adventsständer ist von Norbert Leo, Niederdorfelden gefertigt.
 
Die neuen Kirchenfenster wurden in der letzten Januarwoche und den ersten Februarwochen 1959 eingesetzt.
In alter Form, nur mit dickem Glas und mit einer Kittschicht unter den Bleifassungen.
Bauleitender Architekt Herr Werner Bange aus Hanau, Hochstädter Landstraße 54. Ausführende Firma H. Weissenrieder aus Offenbach, Waldstr. 42.
Gesamtkosten sollen 3000 DM betragen.
Wir haben ca. 4000 DM auf dem Bankkonto.
 
Bildunterschrift: Saal im Gasthaus Wenzel vor Beginn des Kirchentages 20.1.1959
 
Das alte und das neue Siegel
Am 20. Februar 1959 waren die neuen Fenster im Kirchengebäude fertiggestellt. Das Bild unserer Kirche erscheint naturgetreu in einem neuen Kirchensiegel.
Eben sind die Weissbinder Nagel aus Niederdorfelden dabei zwischen Stein und Fensterraute die breiten offenen Stellen mit Glaswolle zu unterlegen und zu verputzen. In dieser Woche soll auch das Fenster hinter der Orgel außen und innen mit einer Ziegelwand vermauert und als Blende verputzt werden.
Damit wären die Arbeiten am Kirchengebäude vorläufig abgeschlossen.
23.2.-28.2.59 Für alle Stühle im Kirchenzimmer wurden Kissen beschafft.



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Die "Vorhölle" in Gronau



 
Januar 1959, Blick aus dem Zimmer an der Nord-Ost-Seite des Pfarrhauses auf die Kirchstraße - Haus der Wagnerei Wenzel, Kirchgarten mit den von mir gepflanzten Bäumen, in das Gehöft des Bauern Böckel.
Meinen Nachfolgern zur dringenden Bitte: Lasst die Bäume um Pfarrhaus und Kirche stehen ! 
Sie sind der einzige Trost in diesem Dorf. Ohne diese Bäume seid ihr völlig vereinsamt.
Zweites Bild: Vom Fenster des Amtszimmers durch die Nussträucher auf die alte Schule, die jetzt Frau Lamp gehört und das alte Haus von Lamps. Beide Häuser sind vermietet. Die Einwohner spielen gewöhnlich bei geöffneten Fenstern mit voller Lautstärke Radio und Platten. Die Musik ist so schlecht, dass man sich wie in der Vorhölle vorkommt. Ohne Rücksicht auf Nachbarschaft und Umgebung stören diese Leute mit ihrem Lärm das Dorf und verleiden uns das Leben hier. Ich habe diesen Krach und diese sogenannte Musik oft verflucht. Hier kann man erleben, dass die anderen die Hölle sind.
 

Gespendeter Kirchenboden

Die Erneuerungsarbeiten in der Kirche Gronau gehen weiter. Der Chorraum wird neu gestaltet. Das alte Gestühl vom Ofen bis zur Treppe zur Orgelempore wurde herausgenommen, der Boden mit Kies aufgefüllt, der Zementestrich gemacht in den dann die Rot-Sandstein-Platten gelegt wurden, mit rotem Zement verfugt. Die Platten wurden von Krögers aus der Bahnhofswirtschaft geschenkt. Das war ein großes Geschenk für die Kirche, weil sie sonst von Miltenberg hätten geholt werden müssen und wir mit dem vom Landeskirchenamt als Beihilfe für 1959 gegebenen Geld (2000 DM) sehr sparsam umgehen müssen.
 
Die Nordtür wurde von Meister Kummetat anstelle der Südtür eingesetzt und aus der vermauerten Nische ein Schrank für das Tragkreuz und Geräte hergestellt. Der Windfang der Südtür wurde abgenommen und der Vorhang innen verlängert. Beide Türschwellen wurden von Meister Kotsch (?) erhöht, der auch die anderen Maurerarbeiten ausführt.
 
Nun soll von Gerhard Wenzel, unserem Nachbarn, die Turmtür ganz neu gemacht werden, während Meister Kummetat ( ein Ostpreusse) soll das sogenannte Konfirmandengestühl am Ofen, das unerträglich unbequem ist, neu gemacht werden und  zwar entsprechend der anderen Seite an der Kanzel.
Ebenso soll die Kanzeltreppe, die sehr abgetreten ist, ausgebessert werden.

 

Ausflug nach Wetzlar, Limburg ...

Fahrt mit den Gronauern und Niederdorfeldern in zwei Bussen von Herrn Reichert, Kilianstädten nach Wetzlar, Braunfels, Weilburg, Limburg, Nassau bis Bad Ems. Von da über Nassau, Singhofen, Bad Schwalbach, Wiesbaden nach Eschborn zum Abendbrot. 
Um 7 Uhr Abfahrt, 8 ½ in Wetzlar: Dombesichtigung und Weilburg im Lahntal Mittagessen. Inzwischen in Braunfels, Besichtigung des Schloß. In Bad Ems waren wir um 3 ½ Uhr und blieben dort bis 18 Uhr.
 
 

Das Lutherbild in der Kirche Gronau

 
1719 / 1959
 
Das im Jahre 1719 von einem unbekannten Maler in der Kirche von Gronau über dem Pfarrstuhl (Sakristei) angebrachte Lutherbild wurde im Mai 1959 von den beiden Buchbindermeistern, Herrn Franz Reul und seinem Enkel, Herrn Schmidt, restauriert, schwarz unterlegt und gerahmt und die Rückseite mit Holz unterlegt.
Sie wird am 1. Pfingsttage, am 17. Mai 1959 in dem renovierten Chor an der Wand hinter dem Altar angebracht.
 
„ Es ist, als gäbe es gar keinen Pfarrer in der Gemeinde; er tauft, konfirmiert, kopuliert und begräbt zwar die Leute, sonst aber haben sie keine Verwendung für ihn, und es wird nicht von ihm gesprochen." Knut Hamsun „Die Weiber am Brunnen"
 
Wir machen uns nichts vor, es ist so.

Seite 155                        1959

Aus jedem Haus im Sommer der idiotische Radio und Fernsehlärm.
Auf fast jedem Hof das Gebell von den halb wahnsinnigen Kötern.
Völlige Gleichgültigkeit, ja Verachtung gegenüber allem, was Kirche heißt oder auch nur entfernt damit zu tun hat. Wir leben  in der Vorhölle.
Was muss das Leben und der Tod sein für Menschen, die nur Lärm und Stumpfsinn kennen ?


Die Kirche auf dem Wege der Erneuerung.

Die Fenster sind in der ursprünglichen Form eingesetzt.



März 1959

Schrank und Treppe fallen nach dem Plan für den nächsten Bauabschnitt fort. Dafür soll eine Brücke von der Empore zur Orgel am Kamin vorbei gebaut werden.

S.  159                            1960

Die Kirchentür am Haupteingang zu der Westseite wurde im März 1960 vom Wagner Gerhard Wenzel nach der Zeichnung von Herrn Architekt Werner Bange, Hanau, angefertigt und eingesetzt.
Heute, am 17.3.1960 wurden die Läden an den Küchenfenstern nach 50 Jahren neu angeschlagen. Inzwischen sind die Fenster völlig unbrauchbar geworden und müssen bald neu gemacht werden.
Ebenso wurden die Schlösser und Beschläge an der Kirchentür  eingesetzt, von Herrn Gerhard Wenzel, unserem Nachbar, während die Läden unser Kirchendiener und Kirchenvorstandsmitglied Jean Schwarzhaupt mit großer Mühe und Gewissenhaftigkeit anschlug.

Starenkasten am Birkenbaum und niedriger: Kohl-, Blaumeisen-Nistkästen und am alten, verfallenden Stall unter dem Dachvorsprung an der Ecke ein Kasten für Rotschwänze habe ich in diesen tagen angebracht. So sollen die Vögel eine Stelle des Friedens und des Schutzes am Pfarrhaus finden. Die Bäume an der Kirche und hier am Haus ziehen die Tiere an, weil sie auch im Winter an beiden Stellen gefüttert werden..

Anfang April 1960 brachte Herr Architekt Bange aus Hanau die zwei Leuchter für den Altar der Kirche, die von dem Künstlerehepaar Hinder (?), aus Rohrbach im Odenwald, aus Ton, für die Gronauer Kirche (angefertigt wurden). In kleinerer Form hatten wir sie in Hanau in der Keramikausstellung im Haus des Handwerks mit Herrn Pitz gesehen (130.—DM)

Auch das Fenster der Haupttür wurde von Herrn Weissenrieder aus Offenbach in Bleiverglasung eingesetzt, sodass die Westtür neu hergestellt ist. (130.—DM)

Im Juni 1960 bestellten wir bei Martin Fischer Rotenburg a.d. Fulda nebenstehende Liedtafel mit 60 Zahlen und einem Aufbewahrungskasten für die Empore in der Kirche.

Der Bauabschnitt für 1960 wurde in den Monaten Mai / Juni 1960, während wir in Lauenburg (?) zur Kur waren , fertig. Kanzeltreppe, Brücke von der Empore zur Orgelempore, drehen der Bänke rechts vom Altar aus gesehen zu diesem hin und Isolierung des Bodens mit neuem Dielenbelag.

1960 - Die fertig renovierte Kirche



 
 Als Erläuterung zu obigen Foto schreibt Pfarrer Horst Broscheit...
Gronau wurde 1564 lutherisch mit dem Fürstentum Solms-Lich.
1718 / 19 ließ der Fürst die zum Pfarrgut gehörende Kapelle im Dorf zu einer Kirche umbauen, zugleich für die Lutherischen in Vilbel, Rendel, Nieder- und Oberdorfelden.
Aus jener Zeit stammen die jetzt erneuerten Bilder der Propheten und Apostelgestalten in den Füllungen der Emporen.
Der über dem neuen Altartisch an der Säule der Orgelempore angebrachte Kruzifixus wurde im Jahre 1684 geschnitzt. Er hing also noch in der Mutterkirche auf der Staatsdomäne „Gronauer Hof" die 1332 erstmalig genannt ist und noch 1689 dort stand..
Die 1967 neu geschnitzte Schalldecke der Kanzel ist ein Geschenk von Frau Liselotte Gahre (?), Dottenfelderhof, Tochter von Frau Albert. Der Hof war 80 Jahre hindurch Pachtung der Familie Wittmer und Albert. 
Die kleine Glocke ist aus dem Jahr 1752 , die Große wurde 1952 gegossen mit unserem Wappenspruch „in spem - contra spem". 
Die in das alte Gehäuse von 1777 eingebaute neue Orgel mit 14 Registern und zwei Manualen wurde von der Firma Walker 1967 fertiggestellt