Das Hanauer Land und die Wetterau im 30-jährigen Krieg (1635 / 1636)

Eine schwere Zeit für unsere Heimat

 

In den Jahren 1635 – 1636 hatte die Gegend die Wirren und Beschwernisse des 30 -jährigen Krieges besonders heftig zu durchleiden. Insbesondere der Kampf um die Vorherrschaft über die Stadt Hanau tobte zwischen den „Evangelischen“ Schweden und Hessen und den „Katholischen“ den Truppen des Kaisers und der Katholischen Liga.

Hanau wurde ein Jahr lang umkämpft, war eingeschlossen und von der Umgegend abgeschnitten.

Diese Vorgänge schildert das Druckwerk „Theatri Europaei“ herausgegeben 1670 von Mataeus Merian, auf mehreren hundert Seiten, in anschaulicher, allerdings aus heutiger Sicht schwer verständlicher Weise.

Wir haben den Text. darum in eine heute verständliche Sprache umgesetzt,

hier kursiv und in blauer Schrift dargestellt.

 

Um eine Vorstellung zu vermitteln, welche Massen an Menschen, Tieren und Waffen in der Rhein – Main Gegend versammelt waren beginnt unsere Schilderung mit einem Bericht vom 1. Januar 1635

Auf den neuen Jahrestag oder 1. Januar nahm diese schwedisch und Weinmarische Armee ihren Marsch durch die Stadt Frankfurt, der Marsch wehrere in dritthalb Tagen lang, und fanden sich bey demselben in 11000 Pferde, ein wiederum ziemlich mundiertes Volk. Die Infanterie wurde bei der Windmühle über den Main gesetzt., die Artillerie aber und die Bagage kam durch Frankfurt. Von Ihr. Gn. Herrn Rheingraf Otten kamen 3000 Musketiere zu dieser Armada, wie auch 2000 Schotten zu Fuß, Niederländer und Lückerwahlen, unter dem Kommando des Obr. Ploquart. Desgleichen 4000 Franzosen, die übrige Französische Armee, so der Herr Marschall de la Force noch bei sich hatte lagen noch teils jenseits des Rheins, teils auch zwischen dem Rhein und Neckar bei Heidelberg und teils…

An diesem Neujahrstag des Jahres 1635 zogen insgesamt mehr als 10 000 Menschen durch Frankfurt, Soldaten aus Hessen, Niederländer, Franzosen, Lückerwalen (?),Schotten…, dazu  kamen etwa 11 000 Pferde, natürlich mussten für soviele Landsknechte große Mengen an „Bagage“ also Vorräte an Waffen, Munition, Pulver, Geschütze, Verpflegung mitgeführt werden. Und das war nur die eine Seite der kriegführenden Parteien.

 

Den Zustand in der Wetterau schildert folgender Absatz

Wetterauischer Zustand   Seite 403 und 423

Wir kehren nun aber etwas zur Linken in die arme Wetterau, in das elende, verwüstete und desolate Land, über welches dieser Zeit alle Wetter und trübe Wolken gingen; wir haben zuvor vernommen, bei dem Heranzug der Kaiserlich-Ligistischen Armee, wie der Herr Graf Conrad Ludwig vom Solms auf Braunfels sich ohne alle Not und Gefahr allein um seiner Gedanken willen an die Kaiserlichen Ergeben, und eine ziemlich starke Besatzung eingenommen. Solche Besatzung ist nun den Herren Wetterauischen und Westerwäldischen Grafen sonderlich denen von Solms ein stacheliger Dorn in Augen gewesen …

 

Zustand in der Wetterau  , in und um Friedberg

In der Wetterau und um Frankfurt, besonders zu Friedburg, welches Herrn General Wachtmeisters Böninghauses einige Retirada und vornehmste Hofstatt war, dann Lich bis an noch befriediget, um der Herren Offizianten großer Vorsichtigkeit und Vorbauung und des Herren Grafen und Gegenwart Willen, Laubach aber, Münzenberg, Staden, Assenheim und dergleichen geringe Örtlein bis auf den Grad eröst und erschöpft. In Friedburg wurde aller eingebrachter, sonderlich geflöherter Vorrat ganz jämmerlich verderbt, weggenommen, geplündert und zertreten, also daß auch die Habseligkeiten und die eine  ansehlichen Vorrat an Wein, Früchten und dergleichen eingebracht gegen Fastnacht ihr Brot erkaufen mussten.

Die Orte der Wetterau um Frankfurt und Friedberg, einem Rückzugsort des General-Wachtmeister Böninghaus, Lich, Laubach, Münzenberg, Staden, Assenheim waren verwüstet und erschöpft. In Friedberg alle Vorräte geplündert oder unbrauchbar gemacht, Habseligkeiten, auch gut versteckte, der Bevölkerung weggenommen.

Der besseren Übersichtlichkeit und der Länge der Texte wegen verzichten wir ab hier weitgehenst auf die Abbildungen des gedruckten Textes

Seite 445

Mit Höchst am Main, eine Meile unter Frankfurt, ist es dieser Zeit gar unterschiedlich hergegangen, dann nachdem es die Schwedische Importantz gar nicht geachtet, große Mühe und Kosten darauf zu tun, haben sie es an etlichen Orten minirt, gesprengt und in Brand gesteckt, und also verlassen, welches von den Kaiserlichen hernach ohne Widerstand eingenommen, und die Ruptur in etliche Wege wieder ersetzt, und sich also Meister auf dem Main zu sehen bedacht. Hernach es die Vitzdomische (Vizedom war im Mittelalter und der frühen Neuzeit der Statthalter eines Landesherrn) von Frankfurt aus bekommen…

Den Schwedischen Truppen war es wichtig, den Ort Hoechst, eine Meile von Frankfurt entfernt, in nahezu zerstörtem Zustand zu verlassen. Sie haben etliche Gebäude gesprengt oder in Brand gesetzt, bevor sie abzogen. Die nachrückenden kaiserlichen Truppen haben, ohne auf Widerstand zu stoßen, die Wege wieder instand gesetzt….

 

Seite 446

Übeles Hausen in der Wetterau

In der ganzen Wetterau war dieser Zeit ein elender Zustand, sowohl wegen der Crabaten (Kroatische Reitertruppe) als auch der hinc inde (hier und dort) auf und ab ziehenden Mansfeldischen und Bönninghäusischen Armaden. Das Vieh wurde auf etliche Meilen geraubt und naher Friedburg eingebracht und wurde dabei nebens manches Feuer gesehen.

Die Crabaten kämpften auf Kaiserlich / Katholischer Seite, die „Mansfeldsichen“ ( nach ihrem Feldherrn, dem Grafen Ernst von Mansfeld kurz die Mansfeldischen genannt) gehörten zur Gegenseite. 

 

Homburg vor der Höhe und anders eingenommen und geplündert

Das fürstlich Städtlein Homburg wurde auch eingenommen und geplündert und zur Kontribution noch darzu genötigt, auch die Fuldaische Mark Ihr. Fürstl. Gn. Landgraf Georgen zu Hessen zuständig, sehr hässlich mitgenommen.

Montabauer wurde von den kaiserlichen eingenommen, das Schloss aber hielten die Franzosen auf Hoffnung des Entsatzes fest, Die Nassauische und Braunfelsische aber täten den Kaiserlich- und Ligistischen nicht wenig Widerstand und Schaden, fielen auf die Fouragiers aus, erlegten und fingen deren viel, und brachten gute Beuten fast täglich von ihnen ein.

Die „Franzosen“ im Schloß Montabauer“, wie auch die Nassauischen und Braunfelsischen  auf „Lutherischer“ Seite , die Kaiserlich- und Ligistischen (Kath. Liga) auf der Katholischen Seite. Die „Fouragiers“ waren zuständig für Beschaffung von Nahrung und Ausrüstung.

 

Crabaten und Ligisten in Hessen übel tractiert

Nicht weniger haben auch indessen die Crabaten dem Fürstentum Hessen mit plündern, brennen, und metzgen hart zugesetzt und nachdem zu denselben von der Mansfeldischen Armee noch das Harthausssische Regiment zu Pferde und etliches Fußvolk gestossen um die Mitte des März bei der Amöneburg ankommen. Wie nun solches die Hessische innen worden, haben sie aus den nächsten Quartieren ein Caualcade (Cavalkade) oder starke Partei von Reitern unter der Conduite (Führung) Obristen Berghauers gemacht, zu welchem Obrister Dalwig aus Ziegenhain noch 200 Fußknecht gebracht, mit welchen conjugierten Truppen sie insgesamt auf besagtes Neustadt fortgegangen, auch glücklich davor gekommen. Als sie nun glücklich davor ankommen. Als sie nun an die Wachen geraten, dieselbe alle niedergemacht, die Thor zerrennet, in die Stadt eingefallen und bemeltes Regiment zu Pferd neben einer Companie Fußknechte gänzlich ruiniert, die Soldaten niedergelegt, die Offiziere gefangen und beneben vier Rittmeistern etlichen Leutenanten und Cornetten in die 600 meist wolmundierte Pferde erobert, welche sie zu Cassel eingebracht.

Hierauf ist am 11. des Monats der Fürstlich Hessische General Major Graf von Eberstein mit ungefähr 600 Pferden und 400 erlesenen Musketieren, welchen sich 6 Kompanien aus Eschwege conjugiert hatten, von Cassel ausgezogen und weil er erkundschftet , daß zu Groß- und Kleine See 2 Regiment von 1200 Crabaten unter dem Commando Obristen Leutenants Stephano Ilo logiert, folgenden Morgens bei beiden…

Die dem katholisch / kaiserlichen Lager zuzurechnenden Crabaten haben unterdessen dem Fürstentum Hessen hart zugesetzt mit  Plündern, Brennen und Niedermetzeln. Nachdem diese sich mit der Mansfeldischen und Harthausischen Armee vereinigt hatten sind sie Mitte März in Amöneburg aufgetaucht.  Die Hessischen haben aus der Umgegend eine Truppe von Landsknechten und Berittenen zusammengezogen. Vor die Stadt gezogen, dort an den Stadttoren alle Wachen niedergemacht, die Tore gestürmt, die Stadt erobert und dabei ein ganzes Regiment zu Pferde und eine Kompanie Fußknechte überwältigt, die Offiziere gefangen genommen und 600 Pferde erobert.

Seite 468  1635

Hanauischer Anschlag auf Gelnhausen

Der Commandant von Hanau, Herr Jacob Ramsay, Schwedischer General Major und schottischer Gülden Ritter hatte diesmal abermals einen Anschlag für, welcher ihm auch anging, derselbige Anschlag aber war auf Gelnhausen gemacht, welcher den 10. 20. Diß, frühe um 3 Uhren dergestalt effecuiert worden, Es hat Herr General Major den Obersten Buckersdorf,, Obersten Leutnant Bilau, samt anderen zugehörigen hohen und niederen Offizieren, mit 600 Musketieren, wie auch des Obersten Tilly Majorn mit einem starken Trupp Reutern, unter der Conduciere Ihr.Gn.Graf Jacob Johann zu Hanau dahin commandiert, selben Orth mit Gewalt zu occupieren,

diese Partei ist darauf dahin gangen und zwischen der Stadt und Burg am Wasser dasselbe Tor (dann die übrige alle verschüttet gewesen) durch eine Petarde eröffnet, und zugleich die Burg attaciert, erobert und alles was darinnen gewesen, im Schlaf und guter Sicherheit …

Die belagerten Hanauer versuchten sich mit Ausfällen immer wieder Luft zu machen und aus der aus der Umklammerung zu befreien.  General Ramsay, ein hochangesehener (Gülden) Befehlshaber in Hanau brach am 10. (julianischer Kalender) bzw., 20. (Gregorianischer Kalender) Mai Richtung Gelnhausen aus. Die Tore der Burg wurden durch eine „Petarde“ ( trichterförmiger Metallbehälter,von Pionieren an feindliche Festungstore oder Türen gehängt) aufgesprengt.

Seite 469  1635

Das Kaiserliche Volk, so bishero in Hessen quartiert, nachdem es der spanischen Niederlag an der Maß vernommen, ist alles aufgebrochen, und eilends nach der Wetterau marchiret. Die Kaiserliche haben vermeint, das Hessische Städtlein Lichtenau zu überrumpeln, seind aber dergestalt empfangen worden, daß über 200 Crabaten sitzen blieben….

Die Kaiserlichen Truppen sind nach der Niederlage der Spanier an der Maas, eilends nach Hessen aufgebrochen, versuchten dort das Städchen Lichtenau zu „überrumpeln“. Allerdings gelang dies nicht, durch den Widerstand der Verteidiger fielen 200 Crabaten (Kaiserliche Seite).

 

Bild „Theatri Europaei“ III Math.Merian, Eigentliche Delineation der Vesten Staddt Hanau sampt der Kaiserl. Belagerung wie sie von der Schwedischen und Landgraf Wilhelm zu Hessen entsetzt worden am 13 Juni 1636

Der besseren Lesbarkeit und Übersicht sind Kartenausschnitte in besserer Qualität am Ende dieses Artikels dargestellt

Seite 512  1635

Hanau – Die Kaiserlichen wollen das Einbringen der Ernte verhindern

Dieweil die Grafschaft Hanau sich bis da um den Frieden-Schluß wenig angenommen, sondern Herr Commendant Ramsay selbige vor Schweden zu defendieren und zu manteniren ihme eiffrig vorgenommen, auch deswegen viel vornehme hohe Personen mit anmaßlichen doch vergeblichen Tractationen lang umbgeführet, als hat man ex parte Kaiserl. Majestät und dero Kaiserl. Armaden den Ernst und Gewalt zu gebrauchen, vor eine unvermeidliche Notturfft erachtet, besonders nunmehr die Ernte vor der Türe, und also periculum in mora, damit sie die selbige nit einbringen, und man also desto mehr mit ihnen müsste zu tun haben, so sie mit Victualien und Notturfft versehen wären. Als ist Herr Obr. Götz darfür mit seinen Trouppen commandirt, sowohl auch Infanteria davor geführt, ihnen die Ernte zu sperren und aufzuhalten, dargegen die darinnen liegende Besatzung sich sehr bemühet, die selbige einzubringen, wie dann um die Stadt Hanau sie es meistenteils ein- und in salvum gebracht, darüber täglich scharfe Scharmützel, mit großer Gefahr Ihr. Gn. Graff Jacob Johanns, und nicht allerdings ohne Verlust und Schaden der Kaiserischen Vorgangs., Doch ist solche Plocquirung nach eingebrachter Ernte nit lang beharret, sondern hat eine Zeitweil bis auff Herbstzeit in etwas geflützet.

Der schottische GeneralmajorJacob von Ramsay, Befehlshaber der Stadt Hanau seit September 1635

Seite 512  1635

Die Grafschaft Hanau scherte sich nicht um einen der zahlreichen Friedensschlüsse, die immer wieder geschlossen, jedoch nie lange hielten. Da der Herbst und damit die Ernte vor der Tür stand, unternahm GeneralmajorRamsay alles, um ein Einbringen der Ernte zu ermöglichen um damit die Stadt durch den Winter zu bringen. Zu verhindern suchte das der Kaiserliche Obrist Götz, der mit seinen Truppen die Hanauer Gegend, wie auch das Rhein-Main Gebiet durchstreifte. Täglich fanden Scharmützel statt, jedoch konnte die Ernte eingebracht werden, danach ließen die feindlichen Vorstöße bis zur Herbstzeit nach.

Seite 548  1635

Die Pest wütet in Hessen -Scharmützel um Frankfurt und Offenbach 

…..bis an die Frankfurter Landwehr, sonderlich seind die Franzosen, mit Zutun des General Major Vitzthumbs in die 3000 commandirte Pferd und 1000 Musquetirer Freitags den 4. Von Mainz herauf bis nächst an Frankfurt kommen…..

Herr Marquis de Grana, sampt Herrn General Bönninghhausen, so sonsten jener seits umb Offenbach lagen, machten sich nechst diesen Scharmützeln auf, die andere Fankfurter Seiten und lagerten sich auff dem Fischfeld und daherumb bis an die Frankfurter Landwehr: Hanau ward vom Herrn General Wachtmeister Lamboy noch hart plocquirt und thät ihnen, wie auch den Frankfurtern, die Infection sehr drang, und wollte nicht nachlassen inmassen dann selbige dieser Zeit in der ganzen Wetterau grassiert und Friedburg, Lich und andere Orth an Leuthen merklich geschwächt worden.

Die Kaiserlichen Truppen sind am 4. (?) bis auf Frankfurt herangezogen, insbesondere Franzosen (3000 Reiter, 1000 Musketiere), aus Richtung Offenbach kamen die Truppen des Marquis de Grana und General Böninghausen und bedrängten die „Frankfurter Landwehr“. (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Landwehr)

General Wachtmeister Lamboy belagert weiterhin Hanau sehr stark.

Mit „Infection sehr drang“ ist die Pest gemeint, die in der ganzen Wetterau grassiert und nicht nachlassen will, insbesondere Friedberg und Lich sind stark betroffen, in Gronau ist seit Beginn der Epedemie 1632 ein großer  Bevölkerungsverlust eingetreten. Gronau ist um 1635 zur Hälfte zerstört. Hanau wird vom General Lamboy weiterhin belagert.

Seite 571  1635

Belagerung Hanaus hält an

Mit der Plocquirung Hanau ward noch stark continuiert, wie dann 8 bis in 10 Kaiserliche Regimenter darvor lagen, und sich in drei unterschiedliche Orth aufgetheilet auch um besserer Sicherheit halben ihre Quartier vergraben. Als solches der in Hanau liegende Schwedische Commendant Obrister Ramsay in Erfahrung bracht, hat er alsbald einen Ausfall zu Pferd und Fuß gethan, in geschwindter Eil, doch heimblich, durch das darbei liegende Gehölz marchirt, und die Arbeiter unversehens überfallen, deren in 200 niedergemacht unter welchen ein vornehmer Obrister neben anderen Offizieren geblieben, unter wehrendem Scharmützel seind von den anderen drei Orthen viel Kaiserliche commandiert worden, aber zu spät kommen, es ist auch gleich Anfangs ein Leutnant mit 30 frischen Pferdenvom General Major Lamboy angesichts diese Notleidende zu secundieren befehlt worden welcher auch was furchtbarlichs hätte effectuiren und gedachtenObristen hätte erretten können, aber wegen allerhand tergiversationen dieses alles verabsäumet ….

Die Belagerung Hanaus wird verstärkt fortgeführt. Inzwischen sind etwa 8 bis 10 Kaiserliche Regimenter herangefühhrt, die sich verschanzen / eingraben. Als Obrist Ramsay dies gewahr wird, macht er einen Ausfall, in dem er heimlich aufbricht, seine Leute durch den Wald heranschleichen und 200 der mit dem Schanzen beschäftigeten Belagerer niedermacht. Lamboy will seinen Leuten zu Hilfe kommen, kommt aber wegen allerlei Vorwänden zu spät, so scheitert dieser Versuch.

Januar 1636 –  Hanauer nach wie vor „halsstarrig“

Seite 609   1636

Seite 609   1636

Den 30. Januar frühe seind die von Hanau mit ungefähr 30 Pferden, so mehrentheils Offizier gewesen, nebst etlichen zu Fuß, auf die Kaiserlichen ausgefallen, und eine geraume Zeit mit ihnen scharmütziert, sind aber mit Verlust etlicher Soldaten wiedrum hinein getrieben, und hat man darauf abermahl die Stadt und auf die Mühlen eine gute Anzahl Granaten und Feuerballen werfen lassen, ob sie sich nunmehr zu dem angebotenen Accord accomodieren, oder ferner halsstarrig verbleiben wollen.

Am 30 Januar 1636 machen die Hanauer einen Ausfall, etwa 30 Reiter, großenteils Offiziere und etliche Mann Fußtruppen liefern sich mit den Belagerten heftige Scharmützel, wurden von den Kaiserlichen aber in die Stadt zurückgetrieben. Die Kaiserlichen quittierten den versuchten Ausfall mit verstärktem Beschuss mit Granaten und „Feuerballen“-

 

Seite 617  1636

Krieg, Feuer, Verstörung, Pestilenz

Es hat Gott der Herr nicht allein diese Zeit das ganze hochbetrübte Teutschland mit Krieg, Feuer, Verstörung, Pestilenz und allerlei Krankheiten, sondern auch mit Theuerung dermassen heimgesucht, das wohl bei den Menschen gedenken, ja so lange die Welt bestanden, dergleichen nie gewesen oder erhört worden: sonderlich überwindet diese Theuerung und Hungers Not alle ….

 

Seite 618  1636

Friedberg wird übel traktiert

Am 28 Februar ist Herr Graf und Obrister de Monte Cuculi mit seinem unterhabenen Volk auf Friedberg gezogen, um zu der haßfeldischen Armee zu stoßen, und gesamt gegen die Schweden zu gehen, und die Garnison dem Freiherren Salis zu Friedburg eingegeben, welcher es dann, wo es vorgemelter Herr Graf und Obrister gelassen, allererst recht angefangen und über die Maßen tyrannisch des Orths mit eingesessenen Bürgern und geflöheten Bauern gehandelt, die Geistlichen hart bedrängt und große Tyrannei verübt, Geld auszupressen, auch das Korn und Vivres mit Gewalt gesucht, alle verwahrte Oerter erbrechen und was ihm gelüstet an Früchten und anderes mit Gewalt nehmen lassen….

Am 28. Februar 1636 ist der „Kaiserliche“ Graf Monte Cuculi mit seinen Landsknechten nach Friedberg gezogen, hat sich dort mit der „Haßfeldischen“ Armee vereinigt um gemeinsam gegen die „Schweden“ also die Evangelischen Friedberger zu ziehen. Die Friedberger, wie auch die in die Stadt geflohenen Bauern aus dem Wetterauer Umland wurden „über die Maßen“ tyrannisiert. Ihnen wurde Geld abgepresst, Lebensmittel, Korn und alle Früchte weggenommen.

 

 

1636

 

Die Statt und Vestung Hanaw wird von Hessischen und Schwedischen entsetzt

Kurz zuvor ist vermeldet, wie der Herr Kaiserliche General Graf Galls viel Volks unb Worms und Speyer zusammen gezogen, welches uff Hanau angesehen zu seyn erachtet wurde, unter welchem der Herzog von Florenz ist aber gar zu spät gekommen, dann wiewohl zur Blockierung Hanaw (als kurz zuvor ist angezeigt worden) der Kais. Gen. Wachtmeister Freyherr von Lamboy alle gute Vorsehung getan und starke Praeparatoria (mit Auffwerfung unterschiedlicher Schanzen) verfertigen lassen, den Belagerten den Ausfall ganz und gar zu benehmen und der bevorstehenden Erndt verlustig zu machen, so hat sich doch unversehens begeben, daß Landgraf Wilhelm von Hessen mit etlichen von des schwedischen Generals beßte Truppen sich aufgemacht und ehe man es recht wahr nehmen können, Sonntags den

Der kaiserliche Genaral Graf Galls hat bei Worms und Speyer viele Truppen zusammengezogen um die Truppen Lamboys bei der Belagerung Hanaus zu unterstützen. Dort hat inzwischen Lamboy rings um die Stadt Erdwälle „Schanzen“ aufwerfen lassen um den Belagerten Ausfälle schwer zu machen. Inzwischen hat der hessische Landgraf Wilhelm, sich aufgemacht, Hanau aus der Umklammerung der Kaiserlichen zu befreien.

 

Seite 665 Hanau wird entsetzt – Fortsetzung

Den 12. 22. Juni beneben gedachter General Leutenant Leßle und Major Beckemann zu Windecken, unfern von Hanaw, mit der Avantgarde in 6000 stark angelangt, darauf in der Nacht den Belagerten ein Feuerzeichen in einer Höhe gegeben, welchem sie mit 4 halben Carthaun-Schüssen geantwortet. Nach solchem hat man sich zum Aufbruch fertig gemacht und gegen dem kaiserlichen Lager vor Hanaw angefangen zu marschieren. Und obwohl mehrbesagter Herr Lamboy als kaiserlicher Wachtmeister, die hess- und schwedischen den Sambs- und folgenden Sonntag auf den Pässen in dem Wald durch stetiges Scharmüzieren aufzuhalten vermeinet, und indessen seine Schanzen um die Stadt alle besetzt und mit den Stücken versehen, in Hoffnung der versprochenen Succurß nächst diem ankommen würde. Nichts desto weniger aber sind besagte Hess- und Schwedische den folgenden Mintag als den 13. Juni … vet. In aller frühe mit Gewalt durchgebrochen, gegen das kaiserliche Lager avanciert und der Schanzen teils mit Stürmen, Schiessen und Granaten, theils aber in Güte mächtig worden. Haben also den Pass in die Stadt mit Gewalt eröffnet und den Orth nach jähriger Belagerung mit eltich hundert Wagen stark proviantiert und mit frischem Volk als I. Fürstl. Gn. Landgraffen Wilhelm Rothen Leibregiment in 12000 Mann stark, und einem Regiment Pferde (gegen denen das Burgdorfische so in 200 Mann nicht mehr gehabt heruas genommen worden) wiederrum besetzt.

Es ist aber gleichwohl hierezwischen eine veste real-Schanz von den Kaiserlichen, welche der Obr. Leutnant Marschall neben 400 commandierten Soldaten vom Jung-Tiiysche- und Böhninghausischen Regiment ingehabt, stark besetzt geblieben, bis endlich die Schwedisch- und Hessische, nach darauf gethanen 160 halben Carthaun-Schüssen, und drei verlornen General-Stürmen, darinnen in etlich hundert Soldaten eblieben, dieselbe auf Gand und Ungnad bekommen, da dann mehrentheil darin gelegene Soldaten wie besagt in die 400 untergestellt, der Commendant aber als Obriste Leutenant

Es ist aber gleichwohl hierzwischen eine feste Real-Schanz von den Kaiserlichen, welche der Onbr. Leutnant Marschall neben 400 commandierten Soldaten vom Jung-Tyllisch- und Böhninhausischen Regiment ingehabt, stark besetzt geblieben, bis endlich die Schwedisch- hessische, nach darauf getanen 160 halben Carthaunen-Schüssen und drei verlorenen General-Stürmen, darinnen etlich hundert Soldaten geblieben, dieselbe auf Gnad und Ungnad bekommen, da dann mehrenteils darin  gelegene Soldaten, wie besagt, in die 400. Untergestellt der Commendant aber als Obriste Leutenant Marschall und Herr Obr. Leutenant Papa in die Hanauer Neustadt gebracht und über Nacht behalten, folgenden Morgen aber nach Windecken geführet worden. Selbigen Abend noch ist Steinheim, einen starken Kanonenschuß gegen Hanau, oberhalb, jenseits des Mains gelegen, mit 1000 Pferden berennet worden, wohin Herr General Lamboy sich retiriert, die Thor beschütten und sich aufs beste wider allen Anlauf verwahren lassen, wie er dann von seinem Beichtvater, einem Jesuiten das Hochheilig Abendmahl empfangen und sich mit seinen Soldaten von des Herrn Grafen von Dona Regiment, so zu  Mainz dahingelegt worden.

Am 12. Juni 1636 versammelte der General Leutnant Leslie, unfern von Hanau, bei Windecken 6000 Mann, von der dortigen Anhöhe hat man nachts den Belagerten durch Feuerzeichen kundgetan, daß Hilfe angelangt sei. Die Hanauer haben mit 4 Schüssen aus einem schweren Geschütz  (halbe Karthaune) signalisiert, daß die Nachricht angekommen ist. Am Morgen des 13. Juni rückten die Befreier auf Hanau vor, obwohl General Lamboy durch zahlreiche kleinere Scharmützel sie daran zu hindern suchte. Die Schanzen der Kaiserlichen wurden überrannt, teilweise mit Stürmen und Schiessen, teilweise einigten sich die Parteien gütlich. Nach einjähriger Belagerung konnte Hanau befreit werden, Die ausgehungerte Stadt konnte so gleich mit dem mitgebrachten Proviant ( auf etlichen hundert Wagen mitgeführt), versorgt werden.

Eine von den Kaiserlichen besetzte Schanze konnte nicht gleich genommen werden. Um diese endgültig zu vertreiben wurden insgesamt 160 Schüsse aus den Halben Karthaunen abgegeben, dreimal wurde zum Sturm angesetzt. Etliche hundert Soldaten, so vermeldet der Chronist blieben auf dem Felde.

Gegen Abend, General Lamboy hatte sich nach Steinheim zurückgezogen, „berannten“ die Befreier mit 1000 Pferden dieses letzte Refugium, wo die Tore fest verammelt und zugeschüttet waren.

 

Seite 666 1636

Der Schwedischen schändlich und übel Hausen in Oberhessen

Ernstlich und unnachlässig an Leib und Leben strafen lassen und sonderlich die, welche die Excessen in dem Städtlein Wetter begangen hatten, die Schwedischen aber, wie gesagt, unter dem Schwedischen Feld-Marschall Leßle haben die Stättlein Battenberg, Rauschenberg, Allendorf und andere mehr rein ausgeplündert, viel Flecken und Dörfer, auch etliche Menschen verderbt und mit dem Hausvolk und Weibspersonen schändlich gehandelt, auch der Geistlichen und Pfarrern, so doch ihrer Religion, im wenigsten verschonet, und ganz ehr- und gewissenlos verfahren: Auch der Kirchen und Gotteshäuser sich nicht enthalten, die schöne Kirche zu Wetter, in welcher sich viel 100 Menschen zur Rettung ihres Lebens salviert, in die Flamme gesetzt, dazu 200000 Reichstaler zur Ranzion oder für Plünderer und Brandschatzung gefordert und urgirt. Welche Forderung auch vermittelst Herrn Landgrafen Johann fürstl.Gn. auf 100000 bemildert worden, welche in continenti erlegt werden sollen.

Die „Schwedischen“ haben die Orte Wetter, Battenberg, Rauschenberg, Allendorf und viele Marktflecken und Dörfer übel traktiert. Die Bewohner wurden ausgeplündert, die Frauen „Weibspersonen“ geschändet. Auch die Pfarrer und Priester wurden nicht verschont. Kirchen wurden zerstört. Die schöne Kirche in Wetter wurde in Brand gesetzt, obwohl sich 100 Personen hineingeflüchtet hatten. Auch wurden zunächst 200 000 Reichstaler gefordert um den Ort vor der Brandschatzung zu bewahren, die Summe wurde später durch den Landgrafen Johann gemildert auf 100 000 Taler.

Und weil man in der Stadt Marpurg und selbigen Lands-Gegend die Einquartierung der Hessisch-Schwedischen mit Gewalt suchen wollen, daher auch durch Schreiben begehrt, allerhand Victualien und etlich tausend Brod in das Lager zu schaffen, mit Bedrohung, da man sich dessen weygern würde, solches alles selber das Lager zu schaffen, mit der Bedrohung, da man sich dessen weigern würde, solches alles selber und noch etwas weiteres gesucht werden sollte: als hat Ihr.Fürst.Gn. Landgraff Wilhelm durch einen Trompeter denen in der Stadt anmelden lassen, daß sie sich in der Güte accomodiren, auf das ehiste zum General Leßle verfügen, und um seine Salva-Guardi auf etwa zwei oder mehr 100 Mann, anhalten sollten, damit man der Plünderung oder wohl gänzlichen Verderbens, welches sonst nahe wäre, in etwas befreiet sein möchte. Auf welche gutherzige Erinnerung und freundliche gnädige Warnung bald darauf der Erb Schenk / Vice-Cansler Academiae, D. Nehs / D. Breitenbach / Christoph Vulteius und der Statt-Schreiber ins Schwedische Lager (so damals zu Frankenberg) selbiger Intention abgefertigt und anfänglich mit scharf und bitteren Worten vom General feldmarschall Leßle empfangen worden, sonderlich dahero weil sie ohne zuvor ersuchtes Geleit und Convoy als der Cron Schweden offene Feinde, sich zu ihn verfügen dörffen, massen dann (da er Ihr. Fürstl.Gn.Herrn Landgraffen Wilhelm nicht in Consideration zöge und dem zu respect etwas täte) er bald einen anderen Proceß mit ihnen anfengen wollte. Damit man aber nit etwa in die Gedanken geraten möchte, als ob er Lust hätte, sie (als die er wie offene Feinde zu verfolgen, befehlen wäre) in gänzliche Ruin zu setzen, sollten sie sich innerhalb zweier Tagen resolvieren, ob sie die Soldaten vom Schloß abschaffen und Versicherung tun, was man weiter handeln wolle, so könne er leyden, daß sich ihre Fürstl. Gn. Landgraff Johann interponierte und wollte mit I.Gn. Wetter tractiren. Worauf Post über Post abgeschickt, bis endlich I.Fürst.Gn.Landgraf Wilhelm angelangt, da dann die Sache so weit beigelegt, daß sie eine Salva-Guard auf 150 Mann halb Finnen halb Deutsche einbekommen und also nächst Gott vor dißmal um Erhaltung ihres Staates keinem mehr als wohlgedachtem Herrn Landgraf Wilhelm zu danken gehabt haben.

Die Armada hat etliche Tage um den Kirchhain und derer Orten sich in Postur gehalten und ausgeruht und bald darauf wieder fortgegangen, und zwar Ihr.Fürstl.Gn.Landgraff Wilhelm nachher Cassel oder Schwedische General Leßle aber nach der Grafschaft Waldeck und Westfalen sich mit seinem Volke gewendet.

Die Hessisch-Schwedischen Truppen lagen derweil bei Marburg. Um sich zu proviantieren wurde die Stadt aufgefordert, Lebensmittel sowie etliche tausend Brote ins Truppenlager zu schaffen. Sollte man sich weigern, so würden die Truppen sich selbst Alles aus der Stadt holen. Per Trompetensignal ließ der hessische Landgraf Wilhelm mitteilen, man möge sich in Frieden einigen, ansonsten wären Plünderung und gänzliches Verderben ganz nah. Nach mehrtägigen Verhandlungen einigte man sich. Die Truppen lagerten etliche Tage um Kirchhain herum bevor sie nach Cassel, bzw. ein anderer Teil unter Oberst Leslie nach Waldeck abzogen.

Seite 665  1636

Obr. Ramsay – verbietet Wucherpreise

Während dieser Bloquirung hat der Obr. Ramsay als Commendant der Stadt Hanaw, dermassen sich wohlgehalten, daß sich selbigen Orts die Inwohner nicht genugsam verwundern können, dann er solche Anordnung gemacht, daß in Zeit dieser jährigen Bloquirung ein Achtel Korn nicht tewrer als für 6 fl. hat dürfen verkauft werden, da mans doch zu Frankfurt, allda man noch offenen Pass haben könnte, für 9. 10 biß 11 fl. bezahlen müssen.

Während der Belagerung hat der Befehlshabende  Obrist Ramsay darauf bestanden, daß  das Getreide nur zu mäßigen Preisen verkauft werden dürfe, 1 Achtel Korn für 6 fl. (fl. für Florin = Gulden) obwohl man damals beispielsweise in Frankfurt schon 9, 10, sogar 11 fl. zahlen musste. Das trug ihm die Bewunderung der Hanauer ein.

Die Blockade ist gefallen

Nach aufgehobener Bloquirung aber haben sich die Hanauische den 26. dieses Monats, als den 2. Sonntag Trinitatis, in der Spital-Kirche der Alten Stadt Hanau nach Mittag eine Dank-predigt gehalten, und den in dem Entsatz beschädigten auch hin- und her in den Balbier und anderen Häusern logierenden kranken Soldaten zur Recuperierung dero Gesundheit alle Hülff erwiesen.

Nachdem die Blockade überwunden war, feierten die Hanauer am 26. Juni in der Spital-Kirche einen Dank-Gottesdienst. Den verwundeten Soldaten , die beim „Balbier“ oder in Privathäusern lagerten wurde ebenfalls gedankt.

Hilfe naht

Es seind Ihre Fürstl. Gn. Landgraff Wilhelm ( als er mit 600 Wagen, mit allerhand Proviant beladen, benebenst einer großen Anzahl Viehe in die Stadt gekommen) zusambt dem schwedischen Feld-Marschall Leßle und General Leutenant Kinge um 12 Uhr in der Altstadt alsobald in die Kirch gekommen zum Gebet und eine offentliche Christliche Danksagung zu tun und eine reiche milde Fürstliche Steuer von 1000 fl. Oder Reichsthaler für die Armen reichen zu lassen: und nach verrichtetem Gottesdienst zum Herrn General Majorn und Commandanten Ramsay zum Mahl kommen

Um die ausgehungerte Stadt zu versorgen zog Landgraf Wilhelm mit 600 Wagen, mit Proviant beladen, heran. Außerdem führte er eine große Zahl Viehzeug mit. Dem Schwedischen Feldmarschall Leslie und General Leutnant Klinge wurde mit Gebet und öffentlicherDanksagung für die Errettung aus der Not gedankt. Eine Spende für die Armen wurde aufgelegt – immerhin 1000 Gulden oder Reichstaler.

Friedberg – aus lauter Angst vorbeugend ganze Straßenzüge niedergebrannt

Welches alles vom 12 biß auf den 14 Junii styl. Vet. Also vorgegangen. Donnerstags und Freitags den 16. 26, 17. 27. Junii ist der ganze Succurß wiederum zurück gegangen und um Ilbenstadt und Friedberg angekommen, damit der Kaiserlichen Guarnison in Friedberg nicht wenig Schröcken eingejagt, welche darvor gehalten, es ihnen nunmehr gelten würde, deswegen auch der Commandant daselbsten und Obrister Wachtmeister Hans Jacob Falb oder Fälber die Vorstadt und Ussergassen ganz ohne Noth anstecken, und die ganze Reihe Häuser mit Feuer verbrennen lassen, wie hoch auch der Rath und sämptliche Bürgerschaft, mit vermelden, daß es keine Not haben würde, dann die Armada vorüber ziehe, dafür fleheten und baten. Desgleichen auch die Mühl vor des See oder Siegerpforten in Brand herhalten und auffgehen muste.

Am 12. bis zum 14. Juni (Julianischer Kalender)  sind die „Evangelischen“ Truppen Richtung Ilbenstadt und Friedberg abgezogen. Friedberg, damals gerade einmal „Kaiserlich / Katholische“ Garnison, wurde damit ein gehöriger Schrecken eingejagt. Der damalige Stadtkommandant Hans Jacob Falb ließ vorbeugend Teile der Vordtadt und der „Ussergassen“ (vermutlich die Usagasse) anstecken und abbrennen, auch die Mühle vor der Seepforte wurde angesteckt. Dies geschah, obwohl der Rat der Stadt und auch die Bürger der Ansicht waren, dies sei nicht nötig, da die feindliche Armada vorbei zöge.

….auch nicht wie man sagt ein Huhn darinnen zu scheuchen,

In dem Anzug und Rückreise haben die Schwedische (dann ihr Fürstl.Gn.Landgraff Wilhelm zu Hessen haben ihren Leuten ernstlich befohlen, in ihres Herren Vetter I.Fürstl.Gn. Landgraff Georgen Land den geringsten Schaden nicht zu tun, sondern still und unbeleydigt Menschen und Viehe, Städte, Örter durchzuziehen, auch nicht wie man sagt ein Huhn darinnen zu scheuchen, sondern sich ganz unsträflich und unverweißlich zu verhalten bey unnachlässlicher ernster Leibs und Lebensstrafe, massen dann auch I.Fürst.Gn. etliche Verbrecher

Den abziehenden Hessisch – Schwedischen Truppen hatte der Landgraf Wilhelm unter Androhung schwerster Strafen befohlen, dem Land und den Leuten nicht den geringsten Schaden zu tun. Menschen, Vieh, Städte und Örter seien zu durchziehen ohne auch nur „ein Huhn dabei aufzuscheuchen“! 

 

Karte der Belagerung der Stadt Hanau

Nördlicher Kartenteil – Die Altstadt

A  Die Alt-Statt,B  Die New Statt, C  Das Gräfl. Schloß, D  Die Pfarrkirche, E  Das Spital, F  Vor Statt,  G  Die Mühl,H  Niederländisch und französ. Kirch, I  Frfurter Port, K  Canal Port, L  Steinheimer Port, M  Nürnberger Port, N  Mühl Port, O  Teutsch Kirchhof,  P  Welsch Kirchhof, Q  Lazareth,  R  Kestatt Dorff,S  Gen. Wachmeister Lamboy Haupt Lager, T  Kais. Haupt Schantz, V  Stern Schantz, X  Wald- Schantz, Y  Ziegel Ofen,  Z  Die Mausfall

Südlicher Kartenteil – Die Neustadt

A  Die Alt-Statt,B  Die New Statt, C  Das Gräfl. Schloß, D  Die Pfarrkirche, E  Das Spital, F  Vor Statt,  G  Die Mühl,H  Niederländisch und französ. Kirch, I  Frfurter Port, K  Canal Port, L  Steinheimer Port, M  Nürnberger Port, N  Mühl Port, O  Teutsch Kirchhof,  P  Welsch Kirchhof, Q  Lazareth,  R  Kestatt Dorff,S  Gen. Wachmeister Lamboy Haupt Lager, T  Kais. Haupt Schantz, V  Stern Schantz, X  Wald- Schantz, Y  Ziegel Ofen,  Z  Die Mausfall

Die Belagerung der Stadt Hanau durch General Lamboy –

Nordwestlicher Kartenausschnitt – Sturm auf die Kaiserlichen Truppen

10  Wachtmeister Lamboy seine Werke,13   Hessischer Entsatz

Belagerung und Erstürmung Hanau

Nord-Östlicher Kartenausschnitt

1  Die Blutschantz,  2  Dragoner Schanz, 10 Wachtmeister Lamboy seine Werke, 11   Mörser, 13   Hessischer Entsatz

Belagerung und Sturm auf die Stadt Hanau,

südlicher Kartenausschnitt

6  Stegisch Schantz, 8  Galgen Schantz, 9  Main Schantz, 10  Wachtmeister Lamboy seine Werke, 11  Mörser,

12   GM Lamboy Stück (Geschütz), 13  Hessischer Entsatz

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Quelle: Digitale Sammlungen der Universitätsbibliothek Augsburg, Theatri Europaei, Continuatio III